Aktuelles

Übersicht aktueller Termine und Veranstaltungen

THE FAMILY OF MAN GOES CONTEMPORARY

Sabine Weichel-Kickert, Kuratorin und Autorin von THE FAMILY OF MAN im Dialog mit der TEUTLOFF COLLECTION, und die Varianten des Kusses

Der Kuss als zutiefst menschliche Geste und Ausdruck für Liebe, Zuneigung, Vertrauen funktioniert als „universales“ Kommunikationsmittel zwischen allen Menschen. Neueste Forschungen datieren den Ursprung des Kusses sogar auf 21 Millionen Jahre zurück. Nun soweit wollen wir nicht gehen.

AUS FAMILY OF MAN, 1955, GLEICH AUF SEITE 7

In der historischen Ausstellung „THE FAMILY OF MAN“, kuratiert von Edward Steichen für das MOMA New York, 1955, die ja die Inspirationsquelle und den historischen Brückenschlag zur Ausstellung darstellt, beginnt der Parcours durch die Menschheitsfamilie ebenfalls mit den Küssen von verliebten Paaren weltweit.

OBEN: ROBERT DOISNEAU: RAPHO GUILUMETTE, AUS: THE FAMILY OF MAN, 1955.

Exemplarisch im kollektiven Gedächtnis verankert steht dafür das ikonische Kuss-Foto von Robert Doisneau. Ein Paar mit Lauch in der Einkaufstasche, er küsst sie im Laufen an der Ecke einer Metro-Station in Paris. Man weiß heute, es handelt sich um eine Inszenierung mit Schauspielern.

Auch die von Volker Hildebrandt auf Leinwand gemalten Filmküsse sind sämtlich Inszenierungen. Nicht von ungefähr hängen die Arbeiten aus seiner Serie der berühmten „Filmküsse“ in der Ausstellung „THE FAMILY OF MAN GOES COMTEMPORARY“. Der Kuss ist eine der intimsten, intensivsten und vielseitigsten zwischenmenschlichen Gesten, die als oraler Körperkontakt Zuneigung, Liebe, Ehrerbietung oder Vertrautheit ausdrückt. Filmküsse sind oft der Höhepunkt oder Schlusspunkt eines Spielfilms, meist das sogenannte „Happy End“.

VOLKER HILDEBRANDT/ FILMKÜSSE / FRÜHSTÜCK BEI TIFFANYS / 2019, ACRYL AUF LEINWAND, 60 X 80 CM, € 7.000,00

Wie auch hier bei dem gemalten Kuss nach „Frühstück bei Tiffany“ (1961). Obwohl der Film ja in Farbe gedreht wurde, hat Volker Hildebrandt alles in ein neutrales Schwarz-Weiß-Grau-Spektrum umgewandelt. Jede Nuance ist dabei mit dem Pinsel aufgetragen, altmodisch und ehrlich, Punkt für Punkt. Wie in einem impressionistischen bzw. pointilistischen Gemälde. Ist es Neo-Pointilismus? Kneift man die Augen zusammen, wird das Bild scharf gestellt.


VOLKER HILDEBRANDT/ FILMKÜSSE / FRÜHSTÜCK BEI TIFFANYS / 2019, ACRYL AUF LEINWAND, 60 X 80 CM, € 7.000,00

In dem Bild wurde genau der Moment eingefangen, indem Holly Golightly (gespielt von Audrey Hepburn) und Paul Varjak (George Peppard) sich im strömenden Regen von New York City küssen, nachdem Holly ihren Kater wiederfand. Der Zauber der Emotionen trifft uns mit ganzer Wucht, weil Holly ihre Angst vor Bindungen überwunden hat und sich endlich auf Paul einlässt. Wir als Betrachter sind berührt von der Innigkeit sichtbar gewordener Liebe. Gern wollen wir diesen Moment festhalten. Der Künstler tat dies für uns, indem er dieses Bild malte. Das Bild bietet seinem Käufer und zukünftigen Besitzer die Möglichkeit, diesen Glücksmoment für immer in sein Leben zu holen. Täglich mit einem Kuss geweckt werden, das könnte wunderbar sein.


VOLKER HILDEBRANDT/ MADONNA UND BRITNEY SPEARS / 2019, ACRYL AUF LEINWAND, 60 X 80 CM, € 7.000,00

Möglicherweise ist es aber auch der Kick beim Betrachten des provozierenden Kusses zwischen Madonna und Britney Spears, der Ihr Herz zum klopfen bringt? Es gilt immer noch als eine Provokation, wenn sich zwei Frauen öffentlich küssen. Zumal eine gewisse Erotik mitschwingt. In einem Bruchteil einer Sekunde werden sich die Lippen der beiden Frauen berühren. Beide haben die Augen geschlossen, um das Knistern zu spüren.

Die beiden Superstars der Musikszene küssten sich bei der Eröffnung des MTV Video Music Awards, 2003, am 28. August in der Radio City Music Hall in New York City. Der berühmte Kuss geschah während einer Performance von „Like a Virgin“. Und schon hat man die Melodie im Kopf und singt im Gedanken mit.


VOLKER HILDEBRANDT/ FILMKÜSSE / E.T. – DER AUSSERIRDISCHE / 2019, ACRYL AUF LEINWAND, 60 X 80 CM , € 7.000,00

Eine ganz andere Melodie schwingt in dem Bild mit, welches Volker Hildebrandt von dem Alien E.T., dem liebenswürdigen Außerirdischen mit den großen traurigen Augen und dem schildkrötenähnlichen Kopf, gemalt hat. In dem Filmklassiker „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) küsst die damals siebenjährige Drew Barrymore in ihrer Rolle als Gertie das Alien auf die Nase. Sie tröstet E.T., der Heimweh hat und so gerne „nach Hause telefonieren“ möchte, mit einem Kuss.

AUSSCHNITT VOLKER HILDEBRANDT, E.T.

Es scheint, als habe der Künstler hier einen feineren Pinsel benutzt, als bei den anderen Gemälden der Serie. Die rasterartige Punktierung der Pinselstriche ist differenzierter, präziser und beinahe zärtlich aufgebracht. Ganz so, als wolle er die zärtliche Geste zwischen dem kleinen Mädchen und dem vermeintlichen Monster mit seinem großen Heimwehschmerz nicht stören. Nicht nur alle Menschen sind gleich, sondern darüber hinaus vielleicht alle begabten Lebewesen aller Sternensysteme. Damit hätte man Steichens Botschaft einer Menschheitsfamilie ausgedehnt auf das ganze Universum. Ein grandioser Gedanke!


VOLKER HILDEBRANDT/ TITANIC / 2019, ACRYL AUF LEINWAND, 60 X 80 CM, € 7.000,00

Noch eine wunderbare Filmmusik, die uns einfällt, wenn wir die gemalte Kuss-Szene aus Titanic (1997) sehen. Der von James Horner komponierte Soundtrack mit dem Welthit “My Heart Will Go On”, gesungen von Céline Dion. Zur Musik küssen sich Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) und Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet). Jack, der hübsche Junge aus der unteren Klasse hat alle unsere Sympathien. Er beschließt, aus den Zwängen, die ihm die Gesellschaft auferlegt, auszubrechen und verliebt sich in Rose, aus der ersten Klasse. Über seinen eigenen Tod hinaus, lehrt er Rose, aus den gesellschaftlichen Konventionen auszubrechen, ihr eigenes Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu genießen.

AUSSCHNITT AUS VOLKER HILDEBRANDT, TITANIC

Mit der Botschaft, dass wahre Liebe über alle Konventionen hinweg, stärker ist als der Tod, gibt uns James Cameron Hoffnung und macht Mut. Gleichzeitig warnt er mit seinem Film davor zu glauben, der Mensch könnte die Natur beherrschen. Arroganz und Sebstüberschätzung führten zur Tragödie, dem Untergang der Titanic. Der Film ist ein Plädoyer für Menschlichkeit, Liebe und Demut gegenüber der Natur. Die Gemälde von Volker Hildebrandt verkörpern all diese Emotionen und tiefen Erkenntnisse.

AUS FAMILY OF MAN, ITALY, GOTTHARD SCHUH

Geht es im Leben nicht immer um die Liebe? Die Liebe zwischen zwei Menschen, aber auch um die Liebe der gesamten globalen Menschheitsfamilie, denn wahrscheinlich ist es die einzige Chance für die Menschheit, auch in Zukunft zu überleben. Und so sind wir wieder bei THE FAMILY OF MAN, dem Opus Magnum und Vermächtnis Edward Steichens, UNESCO Weltdokumentenerbe seit 2003.

ERÖFFNUNG DER AUSSTELLUNG

THE CONTEMPORARY FAMILY OF MAN.

Roma e Toska Gallery, Johannes-Brahms-Platz 9. Hamburg

AUFBAU AM 17.04.2026 

THE CONTEMPORARY FAMILY OF MAN.

Roma e Toska Gallery, Johannes-Brahms-Platz 9. Hamburg

INVITATION

FRIDAY UPSTAIRS.
17.4.2026, ab 18:00 Uhr (Talk 19:00 Uhr)

THE CONTEMPORARY FAMILY OF MAN.

Roma e Toska Gallery, Johannes-Brahms-Platz 9. Hamburg

Sabine Weichel-Kickert präsentiert ihr Buch „THE FAMILY OF MAN im Dialog mit der TEUTLOFF COLLECTION“ und kuratierte für Hamburg dazu eine Ausstellung mit drei künstlerischen Positionen zur Menschheitsfamilie aus der TEUTLOFF COLLECTION.

Irene Andessner, geboren in Salzburg, lebt und arbeitet in Wien. Als Meisterschülerin von Arnulf Rainer begann sie ihre künstlerische Laufbahn mit der Malerei, um später die Fotografie für ihre Rollenspiele zu entdecken. Das Medium bietet ihr die Möglichkeit, sich und ihre Protagonisten in der Rolle historischer Persönlichkeiten zu inszenieren.

Volker Hildebrandt lebt in Köln. Seine konzeptuelle Arbeitsweise umfasst nicht nur Malerei, sondern auch scharfsinnige Gedanken- und Wortspiele sowie menschenverbindende Mitmach-Konzepte. Für Hamburg haben wir vier Arbeiten aus seiner Serie der berühmten „Filmküsse“ ausgesucht.

Herbert Döring-Spengler zeigt uns die Menschheitsfamilie aus der Sicht des Kindes. Dabei kennt die Vielfalt seiner Bearbeitung des Mediums kaum Grenzen. Die Portraits nehmen direkten Bezug zu Edward Steichens Auswahl der „Verlorenen Kinder“ in THE FAMILY OF MAN.

Die meisten Arbeiten sind verkäuflich. Die Ausstellung läuft bis Ende Mai 2026.

Wir freuen uns sehr auf einen besonderen Abend.

Voranmeldung unter: 0172-4313905 oder info@romaetoska.de

Mit herzlichen Grüßen
Sabine Weichel-Kickert und Birgit Gräfin Tyszkiewicz

https://www.nomos-shop.de/en/p/the-family-of-man-im-dialog-mit-der-teutloff-collection-gr-978-3-8288-4365-3

Buchvorstellung und Ausstellungseröffnung „THE FAMILY OF MAN GOES COMTEMPORARY“

Key Conversation mit Dr. Sabine Weichel-Kickert, langjähre Kuratorin der TEUTLOFF COLLECTION im Rahmen der Veranstaltungsreihe FRIDAY UPSTAIRS by Birgit Gräfin Tyszkiewicz

20322 Hamburg, Johannes-Brahm-Platz 9, 4. Stock

 Am 17. April 2026, 18.00 Uhr

Birgit Gräfin Tyszkiewicz, Kunstkritikerin und Modedesignerin von ROMA e TOSCA, hat Sabine Weichel-Kickert zu ihrer Veranstaltungsreihe FRIDAY UPSTAIRS eingeladen, um ihr neues Buch vorzustellen.

Das Buch analysiert den Dialog zwischen einem UNESCO-Weltdokumentenerbe und einer privaten Fotosammlung zu allen Facetten des Menschseins. Es umfasst die Biographien von Edward Steichen und Lutz Teutloff, stellt Zusammenhänge her, beleuchtet die einzelnen Sammelthemen und untersucht den Dialog mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Sammlungen. Darüber hinaus zeigt es Wege der Vermittlung eines Welterbes aus der universitären Praxis auf.

Im Talk mit Birgit Gräfin Tyszkiewicz verrät Sabine Weichel-Kickert etwas über die Strategien der TEUTLOFF COLLECTION und wie sie damit die Heritage Education kommender Generationen beeinflusste.

Nach dem Tod des Sammlers Lutz Teutloff gelang ihr die Vermittlung der TEUTLOFF COLLECTION an ein UNESCO Weltdokumentenerbe, die Steichen Collections, CNA (Centre national de l‘ audiovisuel) Luxemburg.

Die Buchvorstellung findet im Rahmen einer Ausstellung statt, die drei Positionen aus der TEUTLOFF COLLECTION vorstellt. Irene Andessner lotet historische und zukünftige weibliche Rollenmodelle aus. Herbert Döring-Spengler bezieht sich mit seinen Kinderfotos direkt auf Edward Steichen und Volker Hildebrandt untersucht in seiner Bildreihe berühmte Küsse der Filmgeschichte.

THE FAMILY OF MAN, 1955 im MoMA New York eröffnet, zählt zu den meistdiskutierten und besuchten Fotoausstellungen des 20. Jahrhunderts und hat Generationen von Fotograf*innen und Kurator*innen geprägt. Alle Facetten des menschlichen Seins einer weltumfassenden „Menschheitsfamilie“ wurden, kuratiert nach 37 Themen, in einer bis heute beeindruckenden Installation inszeniert. Die Aufnahme in das UNESCO-Weltdokumentenerbe 2003 unterstreicht die Rolle von THE FAMILY OF MAN als einzigartiges historisches Zeugnis und als Medium der Völkerverständigung, das über politische und kulturelle Grenzen hinausreicht.

Lutz Teutloff war als Sammler von der pazifistischen Ausrichtung von Edward Steichens THE FAMILY OF MAN und deren Visualisierung aller Facetten des menschlichen Seins inspiriert. Ein historischer Katalog war zunächst die einzige Quelle, denn bei seinem ersten Besuch 2010 befand sich die Ausstellung noch in ihrer zweiten Restaurierungsphase. Erst 2015 konnte der Sammler und seine Kuratorin die Ausstellung auf Schloss Clervaux im Rahmen eines Symposions erleben. Sie erkannten sofort eine verwandte Geisteshaltung und sortierten ihre Bestände nach Kategorien, angelehnt an THE FAMILY OF MAN und ergänzt durch Themen der Zeit, teilweise auch kontrovers und provokant.

Fasziniert von der Parallelität der visuellen Kraft beider Foto-Sammlungen und von dem Potential der Fotografie als Botschafterin für Völkerverständigung, Menschlichkeit und Frieden, schrieb Sabine Weichel-Kickert ab 2016 ihre Promotion zu diesem Thema. Ihr Ansatz war dabei ein interdisziplinärer Dialog zwischen der ikonischen Ausstellung THE FAMILY OF MAN und der TEUTLOFF COLLECTION die sie, inspiriert von Edward Steichens genialer Idee, THE CONTEMPORARY FAMILY OF MAN nannten.

Als Kuratorin durfte Sabine Weichel-Kickert Lutz Teutloff seit 1993 beim Aufbau seiner Sammlung unterstützen und begleiten. Über seinen Tod hinaus hat sie, seinem Vermächtnis folgend, den Großteil seiner Sammlung zeitgenössischer humanistischer Fotografie an das CNA vermitteln können.

Das CNA ist eine bedeutende kulturelle Institution des Großherzogtums Luxemburg. Es wurde 1989 gegründet und ist dem luxemburgischen Kulturministerium unterstellt. Sein Hauptsitz befindet sich in Dudelange, mit weiteren Standorten wie dem Château de Clervaux, wo die berühmte Sammlung THE FAMILY OF MAN von Edward Steichen ausgestellt ist.​ 2025 gab es nach 8 Jahren Aufarbeitung eine erste Präsentation der TEUTLOFF COLLECTION im CNA. Sie wird im Buch in einem Portfolio abgebildet und gewürdigt.

Sabine Weichel-Kickert: „Mir ist dieses Buch ein Herzensanliegen, denn es umfasst meine Tätigkeit als Kuratorin der TEUTLOFF COLLECTION und deren Vermittlung, einen Zeitraum von 1992 bis heute, also von 33 Jahren meines Lebens.“

Sabine Weichel-Kickert persönlich:

„Die Buchvorstellung „THE FAMILY OF MAN im Dialog mit der TEUTLOFF COLLECTION“ wird in dem neuen Format FRIDAY UPSTAIRS von einer Ausstellung eingerahmt und illustriert, welche die Sammlungsstrategie der TEUTLOFF COLLECTION, inspiriert von Edward Steichens Idee einer Menschheitsfamilie, widerspiegelt. Als Birgit Gräfin Tyszkiewicz und ich die Idee zur Buchpräsentation entwickelten, zog sie gerade in diese imposanten Räume gegenüber der Laeiszhalle ein. Beide hatten wir über Nacht die gleiche Idee, die Buchpräsentation sollte von einer Ausstellung begleitet werden, die den Inhalt des Buches auch optisch sichtbar macht. Drei verschiedene künstlerische Positionen, die ich selbst in die TEUTLOFF COLLECTION einbringen durfte und später an die Steichen Collections, CNA vermitteln konnte, sollen hier punktuell vorgestellt werden.

Irene Andessner ist eine Künstlerin mit österreichischen Wurzeln, geboren in Salzburg, lebt und arbeitet sie in Wien. Als Meisterschülerin von Arnulf Rainer begann sie ihre künstlerische Laufbahn mit Malerei. Immer schon war es das Selbstportrait, was ihr die Möglichkeit bot, in die unterschiedlichsten historischen Persönlichkeiten einzutauchen. Das Medium der Fotografie schließlich erweiterte dieses Rollenspiel. Sie arbeitet dabei wie eine Regisseurin mit einem Team, von Bühnenbildnerinnen, Kostümbildnerinnen, Maskenbildnerinnen bis zum Dramaturgen. Dabei erforscht sie vorwiegend weibliche Persönlichkeiten aus der Kunst- und Kulturgeschichte. Indem sie sich in eine historische Figur verwandelt, bringt sie neue Aufmerksamkeit auf vergessene Künstlerinnen, Forscherinnen und historische Persönlichkeiten, schafft Bezüge zu den Orten ihrer öffentlichen Präsentation, sowohl in Museen und Ausstellungsräumen als auch im öffentlichen Raum. Dabei testet sie auch das Medium Fotografie nach allen Facetten aus. Sie ist bekannt für ihre „Tableau vivants“, lebende Gemälde der Kunstgeschichte, die sie mit ausgesuchten Personen an besonderen Orten performativ nachstellt. So gibt es bspw. ganz unterschiedliche Inszenierungen des „Abendmahls nach Leonardo da Vinci“. In ihrer Inszenierung im Stephansdom zu Wien durfte ich 2024 als „Heiliger Thomas“ sogar mitwirken, diese großartige Erfahrung möchte ich nicht missen. Wir haben gemeinsam viele Ausstellungsprojekte realisiert und ich freue mich, dass ich sie, inspiriert von unserem gemeinsamen Besuch der Ausstellung THE FAMILY OF MAN in Clervaux, ganz bald zu einem Arbeitsaufenthalt als „artist in residence“, nach Luxemburg vermitteln kann. Irene Andessner vertritt in der Hamburger Ausstellung vor allem die weibliche Position der Menschheitsfamilie. Wir haben Arbeiten aus der Serie „Ursula K.“ ausgesucht, in der sie Alltag in der Rolle einer real existierenden Frau inszeniert. Ergänzt von „Portrait-Detrait“, einer Arbeit zum Thema Zukunft der Menschheit, die von Lutz Teutloff in den 90er Jahren initiiert wurde.

Volker Hildebrandt war es übrigens, der mir Irene Andessner seinerzeit in den 1990ern vorstellte. Ich leitete damals eine Galerie in Köln und Volker schaffte es auf Anhieb in das Galerie Programm der damaligen Galerie LUTZ TEUTLOFF MODERN ART in der St. Apernstraße 26. Seine konzeptuelle Arbeitsweise umfasst nicht nur Malerei, sondern lebt auch von seinen scharfsinnigen sprachlichen Gedankenspielen und menschenverbindenden Mitmach-Konzepten, die sich mittlerweile auch global ausbreiten. Da gibt es das „I Love You“- Projekt, bei dem jeder seinem Lieblingsmenschen in seiner Sprache per Video sagen kann, dass er ihn liebt. Gleichzeitig entsteht dabei ein Netzwerk von Menschen, die andere Menschen lieben. Wenn irgendwann jeder Mensch „ILY“ sagt, wird es keine Kriege mehr geben müssen, weil alle Menschen sich lieben. Das neueste Projekt umfasst eine Datenbank, in der jeder seinen ganz persönlichen „POINT OF TIME“ haben kann, indem er sich von Volker Hildebrandt diesen speziellen Moment reservieren und eintragen lässt. Er bekommt darüber ein Zertifikat. Man kann sich auch gemeinsam einen Zeitpunkt sichern und ist damit für immer verbunden in der Unendlichkeit des Zeitgefüges. Für Hamburg habe ich mit Volker vier Arbeiten aus seiner Serie der berühmten „Filmküsse“ ausgesucht. Ob „Frühstück bei Tiffany“, „Titanic“ oder „ET“, allesamt Ikonen der Liebe. Es geht eigentlich immer um die Liebe, eine Liebe zwischen zwei Menschen, aber auch um die Liebe der gesamten globalen Menschheitsfamilie, denn wahrscheinlich ist es die einzige Chance für die Menschheit, auch in Zukunft zu überleben. Und so sind wir wieder bei THE FAMILY OF MAN.

Herbert Döring-Spengler schließlich wird der Dritte im Bunde sein. Er zeigt uns die Menschheitsfamilie aus der Sicht des Kindes. Dabei sind es die Kinder, die es schwer haben im Leben, die ihm besonders am Herzen liegen. Seine Bilder spiegeln Erfahrungen, die er selbst gemacht hat als Kind, aufgewachsen in einem Internat. HDS ist in der Fotoszene bekannt für seine Polaroid-Arbeiten. Dabei kennt die Vielfalt seiner Bearbeitung des Mediums kaum Grenzen. So steckt er die Polaroids schon mal in den Toaster, nimmt die verschiedenen Schichten des Fotos auseinander und bearbeitet sie nach allen Regeln der Kunst. Eine jüngere Kulturtechnik in seinem Repertoire ist dabei die von ihm erfundene Technik der „Diazettas“. Sein Rohmaterial sind Tageszeitungen, die er durchleuchtet. Durch diese Technik entstehen Kombinationen von Abbildungen auf dem Lichttisch, die Vorder- und Rückseite zu einem Bild verschmelzen lassen und durch ihn kuratiert, verblüffende neue Bildkompositionen hervorbringen. Die Kinderportraits nehmen direkten Bezug zu Edward Steichens Auswahl, u.a. von Dorothea Lange, der „Verlorenen Kinder“ in THE FAMILY OF MAN. Lutz Teuloff sammelte HDS und so kam im Laufe der Jahrzehnte ein großes Konvolut zusammen. Einige der Arbeiten übernahm das CNA, genau wie bei Irenen Andessner und Volker Hildebrandt.

Das Konvolut bei HDS war jedoch so umfangreich, dass ich mehr als 40 Werke an das Fotomuseum in Burghausen vermitteln konnte und damit am 10.6.2023 eine große Einzelausstellung mit dem Titel „HERBERT DÖRING-SPENGLER – GESAMMELT VON LUTZ TEUTLOFF“ eröffnen durfte, kurz vor seinem 80. Geburtstag. Bei den ausgestellten Arbeiten handelt es sich um Künstlerexemplare, die bei Interesse produziert und aufgezogen werden können.

Alle ausgestellten Arbeiten sind grundsätzlich verkäuflich.

Die Ausstellung wird bis Ende Mai 2026 zu erleben sein.

Ich danke den Künstler*innen für die freundschaftliche und vertraute Kooperation. Diese Bilder bilden einen würdigen Rahmen meiner Buchpräsentation und spiegeln zugleich unsere jahrelange berufliche Verbindung und Freundschaft wider.“

Sabine Weichel-Kickert

BUCHREZENSION

LOTHAR JORDAN
UNESCO Welterbe Programm

jetzt ansehen »